{"id":80063,"date":"2024-06-24T08:49:08","date_gmt":"2024-06-24T06:49:08","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=80063"},"modified":"2024-06-24T08:49:09","modified_gmt":"2024-06-24T06:49:09","slug":"wir-sind-eigentlich-ermoeglicher-wie-kommen-wissenschaft-und-praxis-zueinander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/unireport\/wir-sind-eigentlich-ermoeglicher-wie-kommen-wissenschaft-und-praxis-zueinander\/","title":{"rendered":"\u00bbWir sind eigentlich Erm\u00f6glicher\u00ab \/ Wie kommen Wissenschaft und Praxis zueinander?"},"content":{"rendered":"<p><em>Wie kommen Wissenschaft und Praxis zueinander? Unter dem Motto \u00bbBridging the gap\u00ab stellte das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) am 25. April auf einem Festival neue Formate der Wissenschaftskommunikation vor. Der UniReport sprach mit den FGZ-Referenten f\u00fcr Wissenstransfer Katja Maasch und Manuel Steinert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/S11_Wir_sind_eigentlich_Ermoeglicher_650x450px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80064\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/S11_Wir_sind_eigentlich_Ermoeglicher_650x450px.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/S11_Wir_sind_eigentlich_Ermoeglicher_650x450px-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/S11_Wir_sind_eigentlich_Ermoeglicher_650x450px-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/S11_Wir_sind_eigentlich_Ermoeglicher_650x450px-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u201eSprichst du die Sprache deiner Zielgruppe?\u201c: User Experience Designer Julian Preissinger auf dem Transferfestival. Foto: Katja Maasch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>UniReport: Das FGZ besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht. Ihr Festival fragte nun, wie Wissenschaft und Praxis zueinanderfinden. Warum spielt dieses Thema f\u00fcr Ihr Forschungsdesign so eine gro\u00dfe Rolle?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Katja Maasch (KM):<\/em> Das FGZ ist vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung gef\u00f6rdert worden, damit es interdisziplin\u00e4re Grundlagenforschung, gleichzeitig aber auch angewandte Forschung zu Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts betreibt. In diesem Sinne hat es zwei Standbeine: Forschung und Wissenstransfer spielen eine gleichberechtigte Rolle \u2013 unsere Forschung sieht sich also im Dienst der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Manuel Steinert (MS):<\/em><strong> <\/strong>Wir generieren Wissen zu gesellschaftlich hochrelevanten Fragen, zum Beispiel welche Spaltungstendenzen sich derzeit in der Gesellschaft erkennen lassen und wie gesellschaftlicher Zusammenhalt gest\u00e4rkt werden kann. Die Ergebnisse sind entsprechend n\u00fctzlich f\u00fcr verschiedene Zielgruppen wie politische Entscheidungstr\u00e4ger*innen oder die Zivilgesellschaft. Allerdings haben wir uns bei der Gr\u00fcndung des Instituts bewusst dagegen entschieden, uns \u201eForschungsinstitut f\u00fcr gesellschaftlichen Zusammenhalt\u201c zu nennen, um unsere Forschungsagenda nicht von vorneherein mit einer Wertung aufzuladen. Zusammenhalt kann auch destruktiv wirken, beispielsweise wenn bestimmte Gruppen ausgeschlossen werden. Es geh\u00f6rt zu unserer Transferarbeit, auch \u00fcber solche Ambivalenzen aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>UniReport: Bei den Kooperationsprojekten geht es auch darum, Wissen aus der Gesellschaft f\u00fcr die Wissenschaft fruchtbar zu machen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>KM:<\/em> Ja, beim FGZ gibt es neben den Forschungsprojekten sogenannte Transferprojekte. Wissenschaftler*innen arbeiten mit Praxispartnern zusammen, die ein relevantes Interesse an dem Forschungsgebiet haben und ihre eigenen Erfahrungswerte beisteuern k\u00f6nnen. Auch wenn das nat\u00fcrlich kritisch betrachtet werden kann, wird durch eine solche Ko-Produktion sichergestellt, dass unsere Forschung auch wirklich auf die Bedarfe der Praxis abgestimmt ist und Ergebnisse nutzbar werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>MS:<\/em> Transfer ist bei uns immer dialogisch angelegt \u2013 das ist die gro\u00dfe Klammer \u00fcber unserer Transferstrategie. Wir wollen nicht nur Wissen im Sinne einer Einbahnstra\u00dfe vermitteln, sondern gleichzeitig immer Impulse aus der Gesellschaft in unsere Forschung aufnehmen. Das ist nat\u00fcrlich mit einigen Herausforderungen verbunden, aber wir haben in den letzten vier Jahren viele Erfahrungen gesammelt, auf denen wir aufbauen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>UniReport: Welche Formate haben sie jetzt auf dem Festival vorgestellt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>MS:<\/em> Neben unseren regul\u00e4ren Transfervorhaben hatten wir am FGZ die M\u00f6glichkeit, durch einen speziellen Fonds auch kleinere, innovative, experimentelle Transferprojekte umzusetzen. Dadurch konnten wir auf dem Festival eine sehr breite Mischung spannender Formate vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>KM:<\/em> \u2026 wie zum Beispiel die Dorfgr\u00fcndungssimulation. Sie wurde von dem Politikdidaktiker Andreas Petrik aus unserem Teilinstitut an der Universit\u00e4t Halle entwickelt. Das Projekt richtet sich an Schulklassen, auch der Berufsschule. Es wurde f\u00fcr uns von einer Woche auf drei Stunden gek\u00fcrzt. Die Idee ist, dass eine Gruppe ein fiktives Dorf gr\u00fcndet. Das Projekt beginnt mit einer Fantasiereise \u2013 die Gruppe erreicht ein leer stehendes Bergdorf in den franz\u00f6sischen Pyren\u00e4en. Da muss dann entschieden werden: Welche Gesellschaftsform wollen wir eigentlich haben? Soll Wohlstand verteilt werden? Wer m\u00f6chte eigentlich welche Rolle \u00fcbernehmen? Und wie wird man B\u00fcrgermeister? Dieses Projekt gelebter Demokratie wollen wir auf jeden Fall weiterf\u00fchren. Es gibt die Idee, Multiplikatoren auszubilden. Und vielleicht werden wir es auch in einer abgespeckten Variante als Online-Spiel anbieten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>MS:<\/em> Ein anderes Format sind die Escape Bubbles, die wir am Frankfurter FGZ-Standort anl\u00e4sslich des Paulskirchenjubil\u00e4ums 2023 entwickelt haben. Es handelt sich um zwei zusammengesetzte, Bubble-artige Escape Rooms, in denen die Spieler*innen gemeinsam die Demokratie der Zukunft retten m\u00fcssen. Story und R\u00e4tsel wurden von Studierenden der Uni Frankfurt entwickelt. Die eine Bubble spielt im Jahr 2029: Demokratiefeindliche Parteien haben in Deutschland zunehmend die Macht \u00fcbernommen, und Aktivisten stehen kurz davor, mit einer Demo einen letzten Rettungsschlag f\u00fcr die Demokratie auszuf\u00fchren. In der anderen Bubble sind wir schon im Jahr 2035, hier tauchen die Spieler*innen ein in die Rollen von Wissenschaftlern, die die Demokratie durch eine Zeitmaschine retten wollen, indem sie den Aktivisten Wissen \u00fcber Demokratiefragilit\u00e4t zukommen lassen. So m\u00fcssen die beiden Gruppen in jeweils verschiedenen Zeitebenen R\u00e4tsel l\u00f6sen. Das Projekt wird inzwischen von verschiedenen Kooperationspartnern angefragt und ausgeliehen \u2013 wie zum Beispiel demn\u00e4chst an das Museum f\u00fcr Kommunikation.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>UniReport: Haben Sie diese kleinen Formate auch entwickelt, um verschiedene Zielgruppen zu erreichen? Das Stichwort genaue Zielgruppenanalyse zog sich ja wie ein roter Faden durch die Veranstaltungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>KM:<\/em> Selbstkritisch muss ich vorausschicken, das wir selbst in Zukunft auch da noch viel genauer werden m\u00fcssen. Wir haben oft gesagt, unsere Formate richten sich an eine breite \u00d6ffentlichkeit. Wenn wir aber mal kritisch draufschauen, sind die Zielgruppen, die wir bisher erreichen, wissenschaftsnah. Und auch wenn wir mit Schulklassen zusammenarbeiten, sind das immer Gymnasialstufen. Das m\u00fcssen wir \u00e4ndern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>UniReport: Haben Sie auf der Tagung auch Formate der Wissenschaftskommunikation f\u00fcr einzelne Wissenschaftler vorgestellt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>KM:<\/em> Ja, es gab zum Beispiel den Hackathon \u201eSprichst du die Sprache deiner Zielgruppe?\u201c. Dazu hatten wir mit Julian Preissinger einen User Experience Designer eingeladen, der selbst keinen wissenschaftlichen Hintergrund hat. Er sollte ein ganz anderes Fenster im Kopf aufmachen, indem er zum Beispiel erz\u00e4hlt hat, wie es bei TikTok l\u00e4uft. Zentrales Thema war, sich die Zielgruppe der Kommunikation sehr genau anzusehen. Das hat einige der Teilnehmer ziemlich frustriert, weil diese Kl\u00e4rung oft gar nicht so einfach ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>UniReport: In der Abschlussdiskussion gab es klare Forderungen von Marketingexperten und Podcastern: Wissenschaft soll Kommunikation in die Gesellschaft liefern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>MS:<\/em> Wir haben f\u00fcr das Abschlusspodium extra Leute von au\u00dfen eingeladen, die Expertise in Marketing, Massenkommunikation, aber auch Evaluation mitgebracht haben. Gerade um unsere Wissenschaftler*innen zu inspirieren und zu zeigen, in welche Richtungen es gehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>UniReport: Andererseits wurde eben auch deutlich, wo Wissenschaftskommunikation an Grenzen st\u00f6\u00dft und gar nicht mitmachen kann und will.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>KM:<\/em> Ja, der Anspruch, Wissenschaft solle sich den Regeln kommerziellen Marketings unterwerfen, wurde durchaus kontrovers aufgegriffen. Von einem Wissenschaftler auf dem Podium wurde gefragt: Was soll ich eigentlich noch alles machen? Ich forsche, beziehe Praxispartner ein, evaluiere und soll auch noch in die Gesellschaft kommunizieren. Und damit hat er recht. Ich glaube, wir m\u00fcssen zwischen den Kompetenzen von Wissenschaft und uns als Kommunikatoren differenzieren, also klarmachen, dass wir eigentlich Erm\u00f6glicher sind und eher zu einer Entlastung der Wissenschaftler beitragen. Diese m\u00fcssen dann aber auch bereit sein, ihre Forschung verst\u00e4ndlich zu kommunizieren.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"346\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/S11_Wir_sind_eigentlich_Ermoeglicher_2_650x450px-500x346.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80066\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/S11_Wir_sind_eigentlich_Ermoeglicher_2_650x450px-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/S11_Wir_sind_eigentlich_Ermoeglicher_2_650x450px-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/S11_Wir_sind_eigentlich_Ermoeglicher_2_650x450px-18x12.jpg 18w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/S11_Wir_sind_eigentlich_Ermoeglicher_2_650x450px.jpg 650w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die FGZ-Referenten f\u00fcr Wissenstransfer Katja Maasch und Manuel Steinert. Fotos: privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Fragen: Pia Barth und Dirk Frank<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)<\/strong> <br>ist ein Verbundinstitut mit 11 Standorten in ganz Deutschland. \u00dcber 200 Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen forschen zu Fragen und zentralen Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Gef\u00f6rdert wird das FGZ vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung. Der Frankfurter FGZ-Standort ist am Forschungszentrum Normative Ordnungen der Goethe-Universit\u00e4t angesiedelt und beherbergt als eine von drei Gesch\u00e4ftsstellen <br>die zentrale Abteilung Wissenstransfer am FGZ.<br><a href=\"https:\/\/fgz-risc.de\/\">https:\/\/fgz-risc.de\/<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kommen Wissenschaft und Praxis zueinander? Unter dem Motto \u00bbBridging the gap\u00ab stellte das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) am 25. April auf einem Festival neue Formate der Wissenschaftskommunikation vor. 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