{"id":84524,"date":"2025-07-02T08:21:00","date_gmt":"2025-07-02T06:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=84524"},"modified":"2025-06-23T10:43:30","modified_gmt":"2025-06-23T08:43:30","slug":"ein-urteil-in-eigener-sache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/unireport\/ein-urteil-in-eigener-sache\/","title":{"rendered":"Ein Urteil in eigener Sache"},"content":{"rendered":"<p><em>Team der Goethe-Universit\u00e4t belegt den 1. Platz im schriftlichen Wettbewerb des Oxford International Intellectual Property Moot Court 2025.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom 19. bis 22. M\u00e4rz 2025 fand der diesj\u00e4hrige International Intellectual Property Moot Court in Oxford statt. Dieser Wettbewerb wird seit \u00fcber 20 Jahren von der Universit\u00e4t Oxford veranstaltet. Teilnehmen k\u00f6nnen studentische Teams der juristischen Fachbereiche aller Universit\u00e4ten weltweit. Die Goethe-Universit\u00e4t stellt seit 2012 j\u00e4hrlich ein Team, welches von der Professur Peukert betreut und koordiniert wird. Angetreten sind in diesem Jahr Parand Yaghubi, Jacob Lemmer und Leonard Gross, betreut von Berkant Yilmaz und David Gurlitt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/moot-court-650x450px.jpg\" alt=\"(V. l. n. r.): David Gurlitt, Jacob Lemmer, Parand Yaghubi, Leonard Gross, Berkant Yilmaz. 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Hierf\u00fcr ist zun\u00e4chst erforderlich, dass zwei Schrifts\u00e4tze, jeweils f\u00fcr Kl\u00e4ger- und Beklagtenseite, in englischer Sprache verfasst werden. Diese bereiten eine Revision in einem fiktiven Rechtsstreit vor, der stets im Immaterialg\u00fcterrecht angesiedelt ist. Nicht nur der Rechtsstreit ist fiktiv, sondern auch das Land (\u201eErewhon\u201c), in dem der Rechtsstreit ausgetragen wird, sowie die Gesetzestexte, auf denen er basiert. \u00dcber das Rechtssystem ist lediglich bekannt, dass es ein Common-Law-System ist, also im Wesentlichen auf der Arbeit mit Pr\u00e4zedenzf\u00e4llen beruht, wie dies in anglo-amerikanischen Rechtssystemen der Fall ist. Manch eine*r wird sich nun fragen, wie man einen Rechtsfall entscheidet, dem kein etabliertes Rechtssystem zugrunde liegt: Entscheidend ist die Argumentation mit rechtlichen Grundprinzipien, die durch einen Vergleich von Rechtsordnungen aus aller Welt, insbesondere im Hinblick auf ihre Rechtsprechung und Gesetzgebung, ermittelt werden. Dabei kann prinzipiell jede Art von internationaler Rechtsquelle herangezogen werden, wenn sowohl faktenbasiert als auch prinzipienbasiert gezeigt wird, dass sie f\u00fcr die Beurteilung des vorliegenden Falles taugt. F\u00fcr die Arbeit an den Schrifts\u00e4tzen haben die Studierenden ab Ver\u00f6ffentlichung des Sachverhalts in der Regel knapp zwei Monate Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die besten 32 von circa 100 Teams werden zu den m\u00fcndlichen Runden eingeladen, welche an der Universit\u00e4t Oxford ausgetragen werden. Die m\u00fcndlichen Runden bilden das Highlight und gleichzeitig den Abschluss der Wettbewerbsphase. In Oxford haben die Teams die M\u00f6glichkeit, die erarbeiteten Argumente zu pr\u00e4sentieren und ihre rechtliche Expertise unter Beweis zu stellen, indem sie auf Kl\u00e4ger- und Beklagtenseite als Prozessvertreter auftreten und in Form von Pl\u00e4doyers ihre Mandanten verteidigen. Der diesj\u00e4hrige Fall handelte von einem markenrechtlichen Rechtsstreit, in dem die klagende Partei behauptete, dass die insgesamt drei Beklagten ihre eingetragenen Marken jeweils verletzen w\u00fcrden. Zur Debatte standen dabei Rechtsfragen rund um die Verw\u00e4sserung von Marken, Rufsch\u00e4digung und zur Verwechslungsgefahr. Dabei blieben die Teams von kritischen R\u00fcckfragen der simulierten Richterbank nicht verschont, welche mit Anw\u00e4lt*innen, Hochschulprofessor*innen und Berufsrichter*innen besetzt ist. Das Frankfurter Team hat sich hiervon jedoch nicht verunsichern lassen und konnte in der m\u00fcndlichen Vorrunde drei von vier m\u00f6glichen Siegen erringen. Dabei trat es gegen Teams aus der Schweiz, England, Kanada und Indien an. Als \u201eSenior Counsel\u201c er\u00f6ffnete Parand Yaghubi die Pl\u00e4doyers sowohl auf Kl\u00e4ger- als auch auf Beklagtenseite, w\u00e4hrend Leonard Gross als \u201eJunior Counsel\u201c auf Kl\u00e4gerseite und Jacob Lemmer in derselben Rolle auf Beklagtenseite den zweiten Teil des Pl\u00e4doyers \u00fcbernahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die (nervenaufreibenden) Prozessverhandlungen finden ihren Ausgleich im abendlichen Rahmenprogramm. Von gemeinsamen Abendessen in den historischen Dining Halls der Colleges bis zu Vortr\u00e4gen renommierter Professor*innen ist alles dabei. Den Abschluss bildet das Grand Final Dinner inklusive Preisverleihung. Die diesj\u00e4hrige Preisverleihung war f\u00fcr das Frankfurter Team von besonderer Bedeutung: Zum ersten Mal konnte die Goethe-Universit\u00e4t die Auszeichnung f\u00fcr die besten Schrifts\u00e4tze erhalten. Damit konnte sich Frankfurt im schriftlichen Wettbewerb als erste deutsche Universit\u00e4t jemals international durchsetzen \u2013 trotz H\u00fcrden, die eine fremde Sprache und ein unbekanntes Rechtssystem mit sich bringen. Die Gesamtpunktzahl setzt sich dabei aus den Kategorien \u201ejuristische Analyse\u201c, \u201eKlarheit der Argumentation und \u00dcberzeugungskraft\u201c, \u201eRecherche und Verwendung von Autorit\u00e4ten\u201c sowie \u201estilistischem Ausdruck\u201c zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Preis bildet die Kr\u00f6nung einer Teilnahme, die f\u00fcr sich jedoch bereits au\u00dfergew\u00f6hnlich ist. Die Teilnahme bietet n\u00e4mlich nicht nur die M\u00f6glichkeit, fremde Rechtssysteme, andere Universit\u00e4ten und neue Rechtsgebiete kennenzulernen, sondern auch professionelle und private Kontakte zu kn\u00fcpfen. Es werden F\u00e4higkeiten gef\u00f6rdert, die im Studium zu kurz kommen: Legal English, rhetorische F\u00e4higkeiten, Social Skills und Teamf\u00e4higkeit. Auch tr\u00e4gt der Moot Court zur pers\u00f6nlichen und akademischen Entwicklung bei, indem er die M\u00f6glichkeit eines Auslandsaufenthalts schafft und praktische Erfahrungen erm\u00f6glicht, die das theoriebasierte Studium erg\u00e4nzen. Als Student*in eine Verhandlung nicht nur zu erleben, sondern als Prozesspartei aktiv mitzugestalten, ist ein kreativer Weg, sich im anwaltlichen Beruf auszuprobieren und \u00fcber den (juristischen) Tellerrand zu schauen \u2014 ganz im Sinne einer individuellen und selbstst\u00e4ndigen Gestaltung des Studiums.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Parand Yaghubi und David Gurlitt<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Team der Goethe-Universit\u00e4t belegt den 1. Platz im schriftlichen Wettbewerb des Oxford International Intellectual Property Moot Court 2025. Vom 19. bis 22. 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