{"id":85906,"date":"2025-10-07T14:17:29","date_gmt":"2025-10-07T12:17:29","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=85906"},"modified":"2025-10-07T14:17:30","modified_gmt":"2025-10-07T12:17:30","slug":"diversifizierter-getreideanbau-in-der-fruehen-jungsteinzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/hochschule\/diversifizierter-getreideanbau-in-der-fruehen-jungsteinzeit\/","title":{"rendered":"Diversifizierter Getreideanbau in der fr\u00fchen Jungsteinzeit"},"content":{"rendered":"<p><em>Kooperationsprojekt von Goethe-Universit\u00e4t und Universit\u00e4t K\u00f6ln erforscht die Landwirtschaft im vorgeschichtlichen Rheinland und Hessen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schon in der fr\u00fchen Jungsteinzeit haben die Bauern im heutigen Rheinland und in Hessen den Getreideanbau diversifiziert, bauten also unterschiedliche Getreidearten an. Fr\u00fcher als bisher angenommen sorgten landwirtschaftliche Innovationen daf\u00fcr, dass die Lebensmittelversorgung widerstandsf\u00e4higer und flexibler wurde. Erste Ergebnisse aus dem Kooperationsprojekt von Goethe-Universit\u00e4t und Universit\u00e4t K\u00f6ln wurden jetzt im \u201eJournal of Archaeological Science\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/verkohlte-emmerkoerner-c-tanja-zerl.jpg\" alt=\"Verkohlte Emmerk\u00f6rner aus einem Vorratsfund einer linearbandkeramischen Siedlung bei Werl, Nordrhein-Westfalen. 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Untersuchungen zu Besiedlung und Landwirtschaftspraktiken im 5. Jt. v. Chr. im zentralen Mitteleuropa\u201c \u2013 so lautet der Titel des interdisziplin\u00e4ren Projekts von Goethe-Universit\u00e4t und Universit\u00e4t zu K\u00f6ln, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gef\u00f6rdert wird. Beteiligt sind die Disziplinen pr\u00e4historische Arch\u00e4ologie, Arch\u00e4obotanik, Vegetationsgeschichte, Arch\u00e4ozoologie und Dendroarch\u00e4ologie. Das Forschungsteam unter der Leitung von Professorin Dr. Silviane Scharl, Dr. Astrid R\u00f6pke (beide vom Institut f\u00fcr Ur- und Fr\u00fchgeschichte der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln) und apl. Professorin Dr. Astrid Stobbe (Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main) hat herausgefunden, dass b\u00e4uerliche Gesellschaften bereits vor knapp 7000 Jahren begannen, neue Getreidesorten in ihr Kulturpflanzenspektrum zu integrieren. Es wurden tiefere Einblicke in die zugrundeliegenden Prozesse erarbeitet und diese Innovationen in der Landwirtschaft zeitlich eingeordnet. Die Ergebnisse der Studie \u201eDynamics of early agriculture \u2013 multivariate analysis of changes in crop cultivation and farming practices in the Rhineland (Germany) between the 6th and early 4th millennium BCE\u201c sind im Journal of Archaeological Science erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Bauern in Mitteleuropa geh\u00f6rten der sogenannten Linearbandkeramischen Kultur an und bev\u00f6lkerten den Kontinent zwischen etwa 5400 und 5000\/4900 v. Chr. Sie kultivierten fast ausschlie\u00dflich die Urweizenarten Emmer und Einkorn, beides Spelzgetreide. Bei diesen Getreidearten muss das Getreidekorn vor der Weiterverarbeitung von der \u00e4u\u00dferen H\u00fclle befreit werden (Entspelzen). Bisher war bekannt, dass neue Getreidesorten wie Nacktweizen, bei denen das Entspelzen entf\u00e4llt, und Gerste im Verlauf der Jungsteinzeit, genauer w\u00e4hrend des sogenannten Mittelneolithikums (ca. 4900 bis ca. 4500 v. Chr.) eingef\u00fchrt wurden, wobei der zeitliche Rahmen und die genauen Prozesse bislang nicht bekannt waren. Um diese Prozesse auf regionaler Ebene besser zu verstehen, hat das Forschungsteam Daten zu arch\u00e4obotanischen Makroresten aus 72 neolithischen Fundst\u00e4tten im Rheinland (Deutschland) gesammelt und ausgewertet. Die Proben bestehen aus verkohlten Resten von S\u00e4mereien und datieren aus der Zeit vom sp\u00e4ten 6. bis zum fr\u00fchen 4. Jahrtausend v. Chr. Sie wurden aus Siedlungsgruben der jungsteinzeitlichen Bauern geborgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mithilfe aufwendiger Statistikverfahren konnte gezeigt werden, dass es signifikante Unterschiede zwischen den neolithischen Phasen gibt. \u00dcberraschenderweise ergab die Studie, dass die f\u00fcr das Mittelneolithikum charakteristischen landwirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen bereits zu Beginn dieser Periode erkennbar waren. \u201eDie Integration neuer Getreidearten machte die Landwirtschaft resilienter und flexibler. Sie erm\u00f6glichte nicht nur den Anbau von Winter-, sondern auch von Sommerkulturen und die potenzielle Nutzung einer gr\u00f6\u00dferen Vielfalt von B\u00f6den sowie eine m\u00f6gliche Verringerung des Arbeitsaufwands\u201c, sagt Professorin Scharl. Eine stetige Zunahme der Getreidevielfalt wurde auch durch eine Diversit\u00e4tsanalyse nachgewiesen. Diese Analyse zeigt, dass die steinzeitlichen Bauern die gr\u00f6\u00dfte Diversit\u00e4t im Anbauspektrum um 4350 v. Chr. erreichten. Danach geht sie wieder deutlich zur\u00fcck, was auf eine erneute Transformation des Agrarsystems hindeutet, die Gegenstand weiterer Forschung ist. Einige Anzeichen deuten darauf hin, dass in der Folgezeit die Viehwirtschaft, vor allem die Rinderhaltung, zugenommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die aktuelle Studie verdeutlicht, dass jungsteinzeitlichen Bauern im Laufe der Zeit landwirtschaftliche Techniken und Praktiken entwickelt haben, die es ihnen erlaubten, sehr flexibel auf regionale und sich wandelnde Umweltbedingungen zu reagieren. In Regionen mit schwierigeren Umweltbedingungen wurden Getreidearten angebaut, die auch unter diesen Bedingungen einen Ertrag lieferten. Dies zeigt, dass die Bauern sehr gut \u00fcber die Umweltbedingungen in ihrer Region Bescheid wussten und ihre Strategien zur Nahrungsmittelproduktion entsprechend angepasst haben. Auch die von der Universit\u00e4t Frankfurt durchgef\u00fchrten und noch laufenden Untersuchungen zu den Landschaftsver\u00e4nderungen in Hessen zu dieser Zeit belegen, dass die Menschen das Land um ihre Siedlungen strategisch nutzten und je nach verf\u00fcgbaren Ressourcen unterschiedliche Wege in der Viehzucht fanden, um ihre Tiere zu ern\u00e4hren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kooperationsprojekt von Goethe-Universit\u00e4t und Universit\u00e4t K\u00f6ln erforscht die Landwirtschaft im vorgeschichtlichen Rheinland und Hessen Schon in der fr\u00fchen Jungsteinzeit haben die Bauern im heutigen Rheinland und in Hessen den Getreideanbau 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