{"id":87754,"date":"2026-03-19T11:17:08","date_gmt":"2026-03-19T10:17:08","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=87754"},"modified":"2026-03-19T11:25:21","modified_gmt":"2026-03-19T10:25:21","slug":"studie-der-goethe-universitaet-analysiert-verletzungsrisiken-beim-professionellen-tanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/studie-der-goethe-universitaet-analysiert-verletzungsrisiken-beim-professionellen-tanz\/","title":{"rendered":"Studie der Goethe-Universit\u00e4t analysiert Verletzungsrisiken beim professionellen Tanz"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Daten der Frankfurter Arbeitsmediziner*innen tragen zu Pr\u00e4vention und besserer Anerkennung der Arbeitsbelastung bei<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Professioneller Tanz ist Hochleistungssport und birgt viele Risiken f\u00fcr Verschlei\u00df und Verletzungen. Forschende der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt haben die Belastungen f\u00fcr das Muskel-Skelett-System nun erstmals exakt vermessen. Als Versuchspersonen dienten ihnen 28 professionelle T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer. Diese trugen w\u00e4hrend des Ballett-Trainings Spezialanz\u00fcge mit eingebetteten Sensoren. Die Analyse der aufgezeichneten Daten ergab f\u00fcr s\u00e4mtliche Trainingsphasen hohe Belastungen. Die Ergebnisse tragen dazu bei, Ma\u00dfnahmen zu entwickeln, um die Verletzungsrisiken zu reduzieren. Au\u00dferdem verbessern sie die Anerkennung der hohen Arbeitsbelastung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ballett ist nicht zuletzt die Kunst der Illusion: Die Tanzenden schweben \u00fcber die B\u00fchne und scheinen bei ihren Spr\u00fcngen f\u00fcr einen Moment den Gesetzen der Schwerkraft zu trotzen. Von der Anstrengung, die diese Leichtf\u00fc\u00dfigkeit und Anmut erfordern, bekommt das Publikum meist nichts mit. \u201eDoch professioneller Tanz ist Hochleistungssport\u201c, betont Prof. Eileen Wanke vom Institut f\u00fcr Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt. \u201eEr erfordert enorme K\u00f6rperbeherrschung und Athletik, die sich nur durch viele Jahre intensives Training ausbilden lassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wanke wei\u00df, wovon sie spricht: Sie ist fr\u00fcher selbst als T\u00e4nzerin aufgetreten. Heute steht sie nicht mehr auf der B\u00fchne, sondern interessiert sich aus dem medizinischen Blickwinkel f\u00fcr ihre Leidenschaft. Denn die hohe Belastung bei Training, Proben und Auftritten fordert ihren Tribut: Die H\u00e4lfte aller T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer haben mindestens einmal pro Jahr einen Arbeitsunfall. Besonders h\u00e4ufig sind Zerrungen und Verstauchungen an Beinen, Sprunggelenken und F\u00fc\u00dfen sowie Verletzungen des unteren R\u00fcckens. Viele arbeiten tempor\u00e4r unter Schmerzen und nehmen das auf sich, weil sie f\u00fcr ihren Beruf brennen. 25 Prozent von ihnen haben mit Ende 20 mindestens eine Arthrose; in der Allgemeinbev\u00f6lkerung liegt diese Zahl deutlich unter 5 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/beitragsbild-dancersimulator-c-eileen-wanke.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-87755\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/beitragsbild-dancersimulator-c-eileen-wanke.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/beitragsbild-dancersimulator-c-eileen-wanke-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/beitragsbild-dancersimulator-c-eileen-wanke-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/beitragsbild-dancersimulator-c-eileen-wanke-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Spezialanz\u00fcge der T\u00e4nzer \u00fcbertragen die Bewegungen verschiedener K\u00f6rperteile an einen Computer, wo die Belastungen analysiert werden. Bilder: Eileen Wanke, Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Spezialanz\u00fcge mit Sensoren<\/h2>\n\n\n\n<p>Objektive Messungen zu den Belastungen beim professionellen Tanz sind bislang rar. In diese L\u00fccke st\u00f6\u00dft nun die neue Studie, an der auch das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen sowie die Unfallkassen Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen beteiligt waren. F\u00fcr die Datenerhebung nutzten Wanke und ihr Team zusammen mit dem \u00f6sterreichischen Physiker und Biomechaniker PD Dr. Christian Maurer-Grubinger eine innovative Methode: Die Versuchspersonen \u2013 16 T\u00e4nzerinnen und 12 T\u00e4nzer des Oldenburger Staatstheaters sowie des Theaters Kiel \u2013 trugen w\u00e4hrend des Trainings Spezialanz\u00fcge mit eingebetteten Sensoren. Diese registrierten 240-mal pro Sekunde Beschleunigung und Lage von Kopf, Torso, Armen, Handgelenken, Beinen und F\u00fc\u00dfen der Beteiligten. Diese Werte wurden per Funk an einen Computer \u00fcbermittelt und dort analysiert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir nutzten dazu ein System, das in der Arbeitsmedizin zur Ermittlung von Belastungen weit verbreitet ist\u201c, betont Wanke. \u201eNormalerweise werten dazu menschliche Beobachterinnen und Beobachter die typischen Bewegungen in bestimmten Berufen aus, beispielsweise durch die Analyse von Videoaufzeichnungen. Bei unserem System erfolgt die Datenerfassung dagegen \u00fcber ein Programm, das speziell f\u00fcr unser Projekt entwickelt wurde.\u201c Jeder Bewegung oder K\u00f6rperhaltung wird ein bestimmter Punkwert zugeschrieben. Je st\u00e4rker Gelenke, Muskeln, B\u00e4nder und Sehnen beansprucht werden, desto h\u00f6her f\u00e4llt dieser REBA-Score aus (das K\u00fcrzel steht f\u00fcr \u201eRapid Entire Body Assessment\u201c).<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verletzungsrisiko beim Training<\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eUnsere Versuchspersonen verbrachten mehr als 60 Prozent der Trainingszeit in einem Bereich mit einem mittleren und 30 Prozent mit einem hohen Verletzungsrisiko\u201c, nennt Wanke ein zentrales Ergebnis der Analyse. Bereits im Training ist das Risiko also sehr hoch, obwohl es ja eigentlich nicht nur dem Erhalt der Technik, sondern gerade auch der Verletzungsprophylaxe dienen soll. Die T\u00e4nzerinnen trainierten zudem in einem h\u00f6heren Risikobereich als die T\u00e4nzer; sie waren also im Schnitt einem h\u00f6heren ergonomischen Stress ausgesetzt. Das liegt unter anderem an ihrem etwas anderen K\u00f6rperbau, wodurch manche Bewegungen oder K\u00f6rperhaltungen mit gr\u00f6\u00dferen Belastungen einhergehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das klassische Tanz-Training hat sich seit mehr als 300 Jahren kaum ver\u00e4ndert. Es gliedert sich in drei Phasen: In Phase 1 erfolgen \u00dcbungen an der Stange, in Phase 2 und 3 im gesamten freien Raum &#8211; zun\u00e4chst langsame Bewegungsfolgen, dann Pirouetten und zum Abschluss schlie\u00dflich weite Spr\u00fcnge. Die Dynamik der \u00dcbungen nimmt also im Verlauf des Trainings zu. Damit steigen auch die Anforderungen an das Herzkreislaufsystem sowie an Konzentration, Koordination und K\u00f6rperbeherrschung. \u201eStudien zeigen, dass gerade in Phase 3 die Konzentration bereits nachl\u00e4sst und sich daher Fehler und Ungenauigkeiten h\u00e4ufen\u201c, erkl\u00e4rt Wanke.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6glichkeiten zur Optimierung<\/h2>\n\n\n\n<p>Insgesamt legen die Daten nahe, besonders anspruchsvolle dynamische \u00dcbungen vorzuziehen. So \u00e4hnlich macht man es in anderen Sportarten auch. M\u00f6glicherweise k\u00f6nnte man das Training zudem genderspezifischer gestalten und an die unterschiedlichen Anforderungsprofile der beiden Geschlechter und des Theaters anpassen. Auch organisatorische Ver\u00e4nderungen an den Spielst\u00e4tten k\u00f6nnten dazu beitragen, die Gefahr von Verletzungen und Verschlei\u00dferkrankungen zu mindern. So sind Knochen, Muskeln und Gelenke bei Spr\u00fcngen hohen Kr\u00e4ften ausgesetzt &#8211; insbesondere bei der Landung. Spezielle Tanzb\u00f6den k\u00f6nnen diese Belastungen deutlich reduzieren. Viele H\u00e4user verf\u00fcgen zwar \u00fcber entsprechend ausgestattete Trainingsr\u00e4ume. Doch auf den Probeb\u00fchnen und B\u00fchnen fehlen diese noch zu oft.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6glicherweise lassen sich auch die vorhandenen B\u00f6den noch optimieren. Denn welche konstruktiven Ma\u00dfnahmen speziell beim Tanz am besten wirken, um die auftretenden Kr\u00e4fte zu verringern, wurde noch nicht systematisch untersucht. \u201eDas w\u00e4re sicher ein Thema f\u00fcr ein separates Forschungsprojekt\u201c, meint Wanke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>Publikation: <\/strong>Verena Fehringer, Christian Maurer-Grubinger, Fabian Holzgreve, Daniela Ohlendorf, Eileen M. Wanke: <strong>Ergonomic Risk Assessment of Professional Dance Using Motion Capture with Ergonomic Evaluation by the Rapid Entire Body Assessment (REBA)<\/strong>. Sensors (2026) <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3390\/s26010070\">https:\/\/doi.org\/10.3390\/s26010070<\/a><br><br><br><strong>Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen hat \u00fcber das Projekt zwei Filme erstellt:<\/strong><br>Kurzfassung: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=31u-bdz1yR0%22\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=31u-bdz1yR0<\/a><br>Langfassung: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Iu2gcviNzcs%22\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Iu2gcviNzcs<\/a><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Informationen<\/strong><br>Prof. Dr. Dr. Eileen Wanke<br>Institut f\u00fcr Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin<br>Goethe University Frankfurt<br><a href=\"mailto:Wanke@med.uni-frankfurt.de\">Wanke@med.uni-frankfurt.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Daten der Frankfurter Arbeitsmediziner*innen tragen zu Pr\u00e4vention und besserer Anerkennung der Arbeitsbelastung bei Professioneller Tanz ist Hochleistungssport und birgt viele Risiken f\u00fcr Verschlei\u00df und Verletzungen. 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