{"id":87866,"date":"2026-04-02T11:11:26","date_gmt":"2026-04-02T09:11:26","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=87866"},"modified":"2026-04-02T11:11:27","modified_gmt":"2026-04-02T09:11:27","slug":"dritte-verleihung-des-klaus-heyne-preis-zur-erforschung-der-deutschen-romantik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/dritte-verleihung-des-klaus-heyne-preis-zur-erforschung-der-deutschen-romantik\/","title":{"rendered":"Dritte Verleihung des Klaus Heyne-Preis zur Erforschung der Deutschen Romantik"},"content":{"rendered":"<p>\u201aSeligkeit\u2018 und \u201aOssian\u2018: Mit diesen zwei Schlagworten sind die Themenfelder umrissen, mit denen sich die beiden Wissenschaftler*innen besch\u00e4ftigten, die 2026 mit dem Klaus Heyne-Preis zur Erforschung der Deutschen Romantik an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt ausgezeichnet werden. Der Philosoph und Theologe Dr. Kirill Chepurin erh\u00e4lt den Preis f\u00fcr seine Monografie \u201eBliss against the World: Schelling, Theodicy, and the Crisis of Modernity\u201d (2024 bei Oxford University Press erschienen), die Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Ansel erh\u00e4lt den Preis f\u00fcr ihren Aufsatz \u201eOssianic images and visual translation processes in J.M.W. Turner and Carl Gustav Carus\u201c (2025 bei Manchester University Press in einem Band mit dem Titel \u201ePicturing the Romantic\u201c ver\u00f6ffentlicht).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Jahr 2026 markiert die dritte Verleihung des Klaus Heyne-Preises, den der Kinderarzt und Romantikliebhaber Prof. Dr. Klaus Heyne (1937\u20132017) aus Kiel der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt stiftete. Heynes erkl\u00e4rtes Ziel war die F\u00f6rderung herausragender Beitr\u00e4ge von Wissenschaftler*innen in der Qualifikationsphase, die zur Epoche der Romantik forschen. 2026 wird der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Preis erstmalig in zwei Kategorien vergeben: F\u00fcr eine Monografie, die mit 4.000 Euro Preisgeld und 10.000 Euro f\u00fcr die Organisation einer Tagung an der Goethe-Universit\u00e4t dotiert ist, und f\u00fcr einen Aufsatz oder Essay, der mit 1.000 Euro Preisgeld ausgeschrieben wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Chepurins Monografie, die auf seiner 2022 an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin mit summa cum laude verteidigten Dissertationsschrift beruht, besch\u00e4ftigt sich mit einem bislang vernachl\u00e4ssigten Konzept des wohl bekanntesten Philosophen der Romantik im deutschsprachigen Raum: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775\u20131854). \u201eBliss\u201c (\u201aSeligkeit\u2018), so argumentiert Chepurin, nicht \u201ehappiness\u201c (\u201aGl\u00fcck-Seligkeit)\u2018), kann als ein Schl\u00fcsselbegriff des Schelling\u2019schen Nachdenkens an der konflikt- und krisenbehafteten Schwelle zur Moderne betrachtet werden \u2013 und zwar von Schellings fr\u00fchen naturphilosophischen Texten bis hin zu seinen sp\u00e4ten metaphysischen Schriften. Chepurin arbeitet \u201aSeligkeit\u2018 als ein Konzept heraus, das f\u00fcr Schelling freiheitstheoretisch und naturphilosophisch relevant ist: Im doppelten Antagonismus zu Moderne und Christentum kann mit \u201aSeligkeit\u2018 eine f\u00fcr die Romantik zentrale Vision der Aufl\u00f6sung der \u201aunseligen\u2018 Gegenwart entfaltet werden \u2013 ein Zustand ungeteilter Immanenz, absoluter Indifferenz, eines Seins in Freiheit, das keine Hierarchien, Besitzverh\u00e4ltnisse, Aneignungen und Imperative kennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Chepurins Arbeit, so die Jury des Heyne-Preises, bestehend aus Prof. Dr. Roland Borgards (Institut f\u00fcr Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universit\u00e4t), Prof. Dr. Mechthild Fend (Kunstgeschichtliches Institut, Goethe-Universit\u00e4t), Dr. Aurelio Fichter (Benvenuto Cellini Gesellschaft e.V.), Dr. Mareike Hennig (Freies Deutsches Hochstift Frankfurt), Prof. Dr. Heidi Lucja Liedke (Institute of English and American Studies, Goethe-Universit\u00e4t) und Prof. Dr. Frederike Middelhoff (Institut f\u00fcr Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universit\u00e4t), beschreitet gleich in mehrfacher Hinsicht Neuland: Erstens wurde hier eine Arbeit vorgelegt, die Schellings jahrzehntelange Auseinandersetzung mit dem Konzept \u201aSeligkeit\u2018 unter Beweis stellt und damit die in der Schelling-Forschung g\u00e4ngige Periodisierung (\u201afr\u00fcher\u2018 vs. \u201asp\u00e4ter\u2018 Schelling) in Frage stellt; zweitens arbeitet Chepurin die bisher unbeachtete Salienz von \u201eSchellingian bliss\u201c f\u00fcr romantische Theorien und Denkformen heraus; drittens befasst sich die Arbeit erstmalig differenziert mit Schellings Reproduktion rassistischer und kolonialistischer Denkgeb\u00e4ude, die mit seiner Vorstellung von \u201aSeligkeit\u2018 eng verkn\u00fcpft ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Jury betont: \u201eWir haben es hier mit einer hochoriginellen Arbeit zu tun, die nicht nur eine Neuinterpretation der Romantik vorschl\u00e4gt, indem sie verdeutlicht, wie stark \u201aSeligkeit\u2018 \u2013 das um 1800 im Bedeutungsumfeld von \u201aSegen\u2018 und \u201aErl\u00f6sung\u2018 diskutiert wurde \u2013 Schellings Philosophie und das Denken der Romantik bewegte. Vielmehr befragt die Studie das Konzept \u201aSeligkeit\u2018 auch hinsichtlich seiner Anschlussf\u00e4higkeit f\u00fcr ethische Fragestellungen und vision\u00e4re Entw\u00fcrfe unserer heutigen Gegenwart.\u201c Diese Perspektiven und Aktualit\u00e4tsbez\u00fcge m\u00f6chte Chepurin auch im Rahmen der internationalen Tagung beleuchten, die er 2027 an der Goethe-Universit\u00e4t mithilfe des Heyne-Preises in Frankfurt ausrichten wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Chepurin studierte Mathematik und Mathematische Logik in Moskau und trat ebendort 2012 eine Doktorats- und Lecturer-Stelle in Bereich der Philosophiegeschichte an. Im Jahr 2022 wechselte er nach Berlin und wurde im Mai desselben Jahres an der theologischen Fakult\u00e4t und am Institut der Philosophie der Humboldt-Universit\u00e4t promoviert. Fellowships und Forschungsaufenthalte f\u00fchrten ihn nach Berlin, Hamburg und Berkeley. Derzeit ist er Research Fellow am Institute for Cultural Inquiry in Berlin. Im September 2026 tritt er eine Stelle als Assistant Professor of the Humanities an der Bilkent-Universit\u00e4t in Ankara an.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Elisabeth Ansels kunstgeschichtlicher Aufsatz, der mit dem Heyne-Preis f\u00fcr herausragende Aufs\u00e4tze ausgezeichnet wird, untersucht, wie der englische Maler William Turner (1775\u20131851) und der deutsche Arzt, Naturphilosoph und Maler Carl Gustav Carus (1789\u20131869) mit ihren Bildern und Zeichnungen den zeitgen\u00f6ssischen ossianischen Mythos mitgestalteten. Der fiktive Ossian und seine altg\u00e4lischen Liedtexte, die der schottische Schriftsteller James Macpherson in den 1760ern als \u201awiedergefundene\u2018 \u201eFragments of Ancient Poetry\u201c publizierte, entfalteten Ende des 18. Jahrhunderts eine bislang nur von den Schriften William Shakespeare gekannte internationale Resonanz. Und obwohl schon fr\u00fch bestritten wurde, dass es sich um authentische Dokumente \u201aalter\u2018 Lieder handele, riss die Faszinationsgeschichte rund um den schottischen Barden und seine \u201aromantischen\u2018 Ges\u00e4nge nicht ab. Ansel geht nun auf Distanz zu einer rezeptions- und einflussgeschichtlichen sowie im Paradigma des Nationalen verhafteten Analyse von Gem\u00e4lden wie \u201eStaffa, Fingal\u2019s Cave\u201c (Turner, 1831\/32) und \u201eInsel Staffa\u201c (Carus, vor 1846). Statt die Bilder als Beispiele f\u00fcr eine deutsche, respektive britische Romantik zu interpretieren, untersucht Ansel vergleichend, wie der Ossian-Stoff in unterschiedliche kulturelle Kontexte \u00fcbersetzt und bildk\u00fcnstlerisch produktiv gemacht wird. Turners und Carus\u2019 visuelle Ann\u00e4herungen an die \u201aossianische\u2018 Hebrideninsel Staffa deutet Ansel im Horizont einer transnationalen Romantisierung des Ossian-Mythos bzw. einer \u201aossianischen Kultur\u2018. Ihr Aufsatz, so war sich die Jury des Heyne-Preises einig, zeigt das gro\u00dfe Potenzial einer kunstgeschichtlichen Romantikforschung, die sich f\u00fcr Zirkulations-, \u00dcbertragungs- und Adaptionsprozesse jenseits der Nationallogiken von \u201aSchulen\u2018 interessiert. Sichtbar wird hier, was sich erst aus einer transnationalen Perspektive als \u201ahybride\u2018 oder \u201apluriforme\u2018 Romantik beschreiben l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Ansel studierte Klassische Philologie in Dublin, Rechtswissenschaften in Leipzig sowie Kunstgeschichte, Soziologie und Rechtswissenschaft an der Technischen Universit\u00e4t Dresden. 2021 wurde sie ebendort im Fach Kunstgeschichte mit einer Arbeit \u00fcber Jack. B. Yeats und die irische Moderne promoviert (summa cum laude). Stipendien und Fellowships f\u00fchrten sie nach Cork, Dublin, Greifswald, New Haven und New York. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle Europ\u00e4ische Romantik der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena.<\/p>\n\n\n\n<p>Beiden Preistragenden wird die Auszeichnung mit dem Klaus Heyne-Preis am 22. Juni 2026 im Rahmen eines Festakts an der Goethe-Universit\u00e4t verliehen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><a href=\"https:\/\/romantikforschung.uni-frankfurt.de\/klaus-heyne-preis-zur-erforschung-der-deutschen-romantik\/\">Weitere Informationen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201aSeligkeit\u2018 und \u201aOssian\u2018: Mit diesen zwei Schlagworten sind die Themenfelder umrissen, mit denen sich die beiden Wissenschaftler*innen besch\u00e4ftigten, die 2026 mit dem Klaus Heyne-Preis zur Erforschung der Deutschen Romantik an 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